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seiLeise.app

Street Art finden. Dokumentieren. Bewahren.

Street Art ist ver­gäng­lich. Ein Werk kann über Jah­re an einem Ort bestehen, sich lang­sam ver­än­dern oder schon nach weni­gen Tagen wie­der ver­schwun­den sein. Was heu­te da ist, kann mor­gen über­klebt, beschä­digt, ent­fernt oder schlicht nicht mehr auf­find­bar sein. Genau hier setzt die seiLeise.app an. Sie ist Kar­te, Werk­zeug und gemein­schaft­li­ches Archiv mei­ner Arbei­ten im öffent­li­chen Raum. Sie zeigt, wo Wer­ke zu fin­den sind, und doku­men­tiert gemein­sam mit den Men­schen, die drau­ßen unter­wegs sind, was aus ihnen wird.

Dabei soll die App Street Art nicht auf einen Bild­schirm holen. Im Gegen­teil: Sie soll euch nach drau­ßen bringen.

Die seiLeise.app ist des­halb auch kei­ne klas­si­sche Smartphone-App. Sie ist eine brow­ser­ba­sier­te Anwen­dung, die direkt über den Inter­net­brow­ser des Smart­phones funk­tio­niert. Es muss nichts aus einem App-Store her­un­ter­ge­la­den oder instal­liert wer­den. Ein­fach seiLeise.app auf­ru­fen und die Kar­te öff­nen. Wer sich zunächst nur umse­hen möch­te, kann die Kar­te auch ohne Regis­trie­rung erkun­den. Wer selbst Wer­ke fin­den, ihren Zustand doku­men­tie­ren, aktu­el­le Fotos auf­neh­men und Punk­te sam­meln möch­te, kann sich kos­ten­los registrieren.

Ein lebendiges Archiv meiner Street Art

Im Mit­tel­punkt der App steht die Kar­te mit mei­nen erfass­ten Arbei­ten im öffent­li­chen Raum. Sie zeigt ihre Stand­or­te und macht gleich­zei­tig sicht­bar, wie weit sich die Arbei­ten inzwi­schen ver­teilt haben. Dabei geht es nicht nur um neue Street Art. Auch älte­re Wer­ke blei­ben Teil des Archivs, solan­ge sie noch im öffent­li­chen Raum exis­tie­ren und doku­men­tiert wer­den können.

Ich brin­ge seit vie­len Jah­ren Arbei­ten auf die Stra­ße. Sobald ich ein Werk dort zurück­las­se, gebe ich einen gro­ßen Teil der Kon­trol­le dar­über ab. Wet­ter und Zeit hin­ter­las­sen Spu­ren, Men­schen grei­fen ein, Flä­chen wer­den gerei­nigt, über­klebt, über­malt oder umge­baut. Man­che Arbei­ten ver­schwin­den fast sofort, ande­re ent­wi­ckeln ein erstaun­lich lan­ges Eigen­le­ben. Die­se Ver­än­de­rung ist kein Feh­ler im Sys­tem, son­dern Teil mei­ner Arbeit.

Des­halb ist die seiLeise.app auch nicht als klas­si­sches Werk­ver­zeich­nis gedacht, in dem ein ein­mal erfass­ter Zustand dau­er­haft bestehen bleibt. Sie ist ein leben­di­ges Archiv. Ein Werk erscheint auf der Kar­te, wird gefun­den und sein Zustand doku­men­tiert. Neue Fotos zei­gen Ver­än­de­run­gen. Wird es beschä­digt, ver­än­dert sich sein Sta­tus. Ver­schwin­det es irgend­wann, wird auch das Teil sei­ner doku­men­tier­ten Geschich­te. Die Kar­te ver­än­dert sich damit fort­lau­fend – genau wie die Street Art selbst.

Ich kann die Arbei­ten auf die Stra­ße brin­gen, aber ich kann nicht stän­dig kon­trol­lie­ren, was mit ihnen geschieht. Dafür sind es inzwi­schen zu vie­le Wer­ke an zu vie­len Orten. Des­halb ist die Com­mu­ni­ty ein wesent­li­cher Bestand­teil der seiLeise.app. Men­schen, die drau­ßen unter­wegs sind, kön­nen über­prü­fen, ob ein Werk noch vor­han­den ist, sei­nen aktu­el­len Zustand mel­den und direkt vor Ort neue Fotos auf­neh­men. Aus vie­len ein­zel­nen Beob­ach­tun­gen ent­steht so gemein­sam ein Archiv, das nicht nur fest­hält, wo ein Werk ein­mal war, son­dern mög­lichst auch, was aktu­ell mit ihm passiert.

Finden, dokumentieren und gemeinsam den aktuellen Zustand erfassen

Ein wich­ti­ger Grund­satz der App ist die unmit­tel­ba­re Doku­men­ta­ti­on. Neue Fotos kön­nen direkt über die seiLeise.app auf­ge­nom­men wer­den. Dafür muss man sich am Werk befin­den. Ein nach­träg­li­ches Hoch­la­den älte­rer Bil­der aus dem Foto­al­bum ist nicht mög­lich. Das ist eine bewuss­te Ent­schei­dung: Die App soll kein Sam­mel­be­cken für Fotos sein, die irgend­wann irgend­wo ent­stan­den sind. Sie soll mög­lichst unmit­tel­bar doku­men­tie­ren, was jetzt gera­de drau­ßen zu sehen ist.

Auch bei der Bewer­tung des Zustands ent­schei­det nicht eine ein­zel­ne Mel­dung. Wird ein Werk als beschä­digt gemel­det und von drei Nut­zern unab­hän­gig von­ein­an­der bestä­tigt, gilt es ent­spre­chend als beschä­digt. Wird ein Werk als ver­schwun­den gemel­det und eben­falls von drei Nut­zern unab­hän­gig von­ein­an­der bestä­tigt, wird es als nicht mehr vor­han­den behan­delt. Erst meh­re­re unab­hän­gi­ge Beob­ach­tun­gen ver­än­dern also den Sta­tus eines Werks. Auf die­se Wei­se wird die Com­mu­ni­ty selbst zu einem Teil des Archivs.

Neben die­ser doku­men­ta­ri­schen Ebe­ne besitzt die seiLeise.app bewusst auch einen spie­le­ri­schen Bestand­teil. Wer regis­triert ist und aktiv mit­macht, sam­melt Punk­te für die per­sön­li­che Rang­lis­te. Ein neu­er Fund bringt grund­sätz­lich 10 Punk­te, ein Sta­tus­up­date 1 Punkt und ein neu­es Foto, das direkt vor Ort über die App auf­ge­nom­men wird, eben­falls 1 Punkt.

Doch auch die­se Wer­tung ist nicht sta­tisch. Wird ein gefun­de­nes Werk spä­ter von drei Nut­zern unab­hän­gig von­ein­an­der als beschä­digt bestä­tigt, wird der ursprüng­li­che Fund von 10 auf 5 Punk­te zurück­ge­stuft. Wird bestä­tigt, dass ein Werk ver­schwun­den ist, wird der Fund aus der Wer­tung genom­men und die dafür ver­ge­be­nen Punk­te wer­den wie­der abge­zo­gen. Das per­sön­li­che Punk­te­kon­to ver­än­dert sich damit gemein­sam mit den Arbei­ten auf der Stra­ße. Die Ver­gäng­lich­keit der Street Art wird Teil der Wertung.

Die App belohnt außer­dem das Ent­de­cken neu­er Orte. Wer erst­mals ein Werk in einer Stadt fin­det, erhält ein­ma­lig 100 zusätz­li­che Punk­te für die­se Stadt. Für das ers­te gefun­de­ne Werk in einem neu­en Land kom­men ein­ma­lig 250 Punk­tehin­zu. Städte- und Län­der­bo­nus kön­nen mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den. Wer bei­spiels­wei­se sein ers­tes Werk in Paris fin­det und zuvor noch kein Werk in Frank­reich ent­deckt hat, erhält neben den regu­lä­ren Punk­ten für den Fund 100 Punk­te für Paris und 250 Punk­te für Frank­reich. Ein wei­te­rer Fund in Paris löst kei­nen erneu­ten Orts­bo­nus aus. Ein ers­ter Fund in Lyon bringt dage­gen wei­te­re 100 Punk­te für die neue Stadt, wäh­rend Frank­reich bereits als ent­deck­tes Land gewer­tet wurde.

So wächst mit der Zahl der Fun­de nicht nur das gemein­sa­me Archiv, son­dern auch die per­sön­li­che geo­gra­fi­sche Spur jedes Nutzers.

Rangliste und wechselnde Wettbewerbe

Alle Fun­de, Doku­men­ta­tio­nen und Ver­än­de­run­gen flie­ßen in die Rang­lis­te ein. Sie ist bewusst kei­ne sta­ti­sche Highscore-Liste. Punk­te kom­men hin­zu, kön­nen sich ver­än­dern und auch wie­der ver­schwin­den. Ein hoher Punk­te­stand zeigt des­halb nicht nur, wie vie­le Wer­ke jemand irgend­wann gefun­den hat. Er hängt auch davon ab, wel­che die­ser Arbei­ten noch exis­tie­ren, in wel­chem Zustand sie sich befin­den und an wie vie­len unter­schied­li­chen Orten sie ent­deckt wur­den. Die Rang­lis­te lebt damit genau­so wie das Archiv selbst.

Zusätz­lich zur regu­lä­ren Rang­lis­te fin­den in der seiLeise.app von Zeit zu Zeit zeit­lich begrenz­te Wett­be­wer­be statt. Sie schaf­fen einen zusätz­li­chen Anlass, raus­zu­ge­hen, inten­si­ver zu suchen, neue Orte zu erkun­den und sich noch ein­mal anders mit Street Art und ihrem Umfeld auseinanderzusetzen.

Dabei muss nicht jeder Wett­be­werb gleich funk­tio­nie­ren. Zeit­raum, Ort, Teil­nah­me­be­din­gun­gen, Punk­te­wer­tung und Regel­werk kön­nen sich von Wett­be­werb zu Wett­be­werb unter­schei­den. Ein Wett­be­werb kann sich auf eine ein­zel­ne Stadt oder Regi­on kon­zen­trie­ren, ein ande­rer über­re­gio­nal oder inter­na­tio­nal ange­legt sein. Es kön­nen eige­ne Rang­lis­ten ent­ste­hen, beson­de­re Auf­ga­ben hin­zu­kom­men oder ande­re Schwer­punk­te gesetzt wer­den. Je nach Wett­be­werb kann die Wer­tung auch wie­der bei null beginnen.

Die­se Wett­be­wer­be ver­än­dern die grund­le­gen­de Idee der App nicht. Sie sind tem­po­rä­re Erwei­te­run­gen, die das Erleb­nis Street Art inten­si­vie­ren und dazu moti­vie­ren sol­len, genau­er hin­zu­se­hen, wei­te­re Wege zu gehen und viel­leicht Orte zu ent­de­cken, die man sonst nicht besucht hätte.

Natür­lich geht es dabei auch um Punk­te und dar­um, wer am Ende vor­ne liegt. Vor allem geht es aber um die Bewe­gung durch den öffent­li­chen Raum, um Ent­de­ckung und um einen ande­ren Blick auf die Stadt.

Die App gibt den Anlass. Die Stadt wird zum Spielfeld.

Ein Archiv für eine Kunst, die sich verändert

Mit der wach­sen­den Zahl an Wer­ken, Orten und Ein­trä­gen wächst auch die App. Eine Such­funk­ti­on hilft dabei, Inhal­te gezielt wie­der­zu­fin­den, wäh­rend die Kar­te das Zen­trum der Anwen­dung bleibt. Sie ver­bin­det die digi­ta­len Infor­ma­tio­nen mit dem tat­säch­li­chen Ort eines Werks.

Denn Street Art besitzt kein Muse­um, das auto­ma­tisch fest­hält, was mit einem Werk pas­siert. Und viel­leicht soll­te sie das auch gar nicht haben. Ein wesent­li­cher Teil ihrer Iden­ti­tät ent­steht gera­de dadurch, dass sie unge­schützt im öffent­li­chen Raum exis­tiert. Sie ver­än­dert sich, wird Teil ihrer Umge­bung und ver­schwin­det irgend­wann wieder.

Ich möch­te die­sen Pro­zess nicht ver­hin­dern. Ich möch­te ihn sicht­bar machen.

Die seiLeise.app ver­sucht des­halb nicht, mei­ne Street Art vor ihrer Ver­gäng­lich­keit zu bewah­ren. Sie doku­men­tiert die­se Ver­gäng­lich­keit. Sie ver­bin­det mei­ne Arbeit mit den Men­schen, die ihr drau­ßen begeg­nen. Aus Fun­den, Sta­tus­mel­dun­gen und aktu­el­len Fotos ent­steht gemein­sam eine Moment­auf­nah­me, die sich jeden Tag ver­än­dern kann.

Ein leben­di­ges Archiv für eine Kunst, die nicht dafür gemacht ist, ste­hen zu bleiben.

Wer sich zunächst nur umse­hen möch­te, kann die Kar­te ohne Account öff­nen. Wer selbst Teil des Archivs wer­den möch­te, regis­triert sich kos­ten­los und kann Wer­ke vor Ort fin­den, ihren Zustand doku­men­tie­ren, aktu­el­le Fotos auf­neh­men, Punk­te sam­meln und die Ent­wick­lung der Kar­te mitgestalten.

Kei­ne Instal­la­ti­on. Kein App-Store.

Brow­ser öff­nen. Raus­ge­hen. Fin­den. Dokumentieren.

seiLeise.app